Zurück auf die Langstrecke – mit 44, zwischen Führungsaufgabe und Familienleben. Der Radsport hat sich seinen Platz in meinem Leben zurückerobert. Und mit ihm kommt etwas zurück, das eine ganze Zeit ziemlich leise geworden war: Bock auf Ballern. Bock auf Herausforderungen. Und diese Frage, die wieder in mir brennt: WIE SEHR WILLST DU ES?
Drei kürzere Einheiten unter der Woche, zwei längere am Wochenende. Dazu die ersten Intensitäten. So sieht gerade die Routine aus, die ich für mein Radsport-Comeback weiter erprobe. Noch geht es vor allem darum, regelmäßig aufs Rad zu kommen und das Training dauerhaft in meinen Alltag einzubauen. Konsistenz steht weiterhin vor den einzelnen Trainingsinhalten.
Radsport-Training zwischen Beruf und Familie
Früher war mein Training deutlich strukturierter. Mit der Trainingssteuerung über PMP Coaching oder STAPS hatten die Einheiten ihren klaren Platz und ihre konkrete Aufgabe. Auch mein damaliger Schichtdienst mit regelmäßigen Schlafbereitschaften ließ unter der Woche mehr Zeitfenster für längere Ausfahrten.
Heute sieht mein Alltag anders aus. Als Führungskraft in der Eingliederungshilfe bleibt unter der Woche wenig Zeit für lange Einheiten. Dazu kommt das Familienleben mit zwei Kindern im Wechselmodell. Doppeleinheiten lassen sich darin schwer unterbringen.
Drei Einheiten unter der Woche haben sich inzwischen etabliert. Am Wochenende sollen zwei längere Einheiten dazukommen. Ich probiere weiterhin aus, wie sich das zuverlässig umsetzen lässt. Eine Routine muss schließlich auch dann funktionieren, wenn die Arbeitswoche voll ist und zu Hause andere Dinge anstehen.
Inzwischen laufen auch die ersten Kraftausdauer- und VO₂max-Intervalle an. Es darf wieder anstrengender werden. Trotzdem bleibt die wichtigste Aufgabe, Woche für Woche dranzubleiben. Die Grundlage dafür entsteht gerade.
Zurück auf die Langstrecke: Von 24h-MTB-Rennen zu Limburg200

Früher waren es vor allem die 24-Stunden-MTB-Rennen, die mich gepackt haben. Mein letztes war 2019 die Night on Bike. Mit den Podestplätzen bei der MTB-24h-WM 2017 in Finale Ligure und bei der Night on Bike ein Jahr später habe ich am Erfolg geschnuppert.
Das Ziel, irgendwann ein 24-Stunden-Rennen zu gewinnen, habe ich nie ganz begraben.
Mir ist klar, wie lang der Weg zurück an die Spitze wäre. Zwischen der Erinnerung an frühere Rennen und der Form, die es dafür braucht, liegen viele Trainingsstunden. Aber der Gedanke ist noch da. Ich will wissen, was mit 44 machbar ist.
Der nächste Schritt heißt erst einmal Limburg200. Das wird der erste echte Härtetest: Wie haben sich die vergangenen drei Monate intensiven Trainings bewährt? Wie trägt die bisherige Grundlage über eine lange Belastung?
Nach Limburg200 möchte ich eine professionelle Leistungsüberprüfung machen lassen. Als Standortbestimmung für die nächsten Schritte und als Belohnung für den ersten Meilenstein auf diesem Weg.
Was mich heute anders antreibt
Leistungsentwicklung ist mir nach wie vor wichtig. Ich mag es, Fortschritte zu spüren und mich zu fordern. Gleichzeitig nehme ich heute viel bewusster wahr, was unterwegs um mich herum passiert. Ich sauge Landschaft auf, halte an und speichere Eindrücke als Momentaufnahme ab.
Wenn ich an frühere Erlebnisse denke, wird mir klar, dass genau das schon damals ein Antrieb war. Bei den BIKE 4 Peaks durch Schneefelder fahren. Bei der Transalp Panoramen sehen, die ihresgleichen suchen. Was habe ich da für geile Erlebnisse gesammelt.
Ich habe damals nur zu wenig darüber nachgedacht, wie viel mir diese Erfahrungen geben. Stattdessen bin ich oft wieder in die Leistungsanalyse abgedriftet. Dabei waren diese Momente längst ein Grund dafür, dass ich überhaupt aufs Rad gestiegen bin.
Heute genieße ich die Bewegung, das Training und auch die Belastung bewusster. Ich nehme mehr von dem wahr, was neben den Leistungswerten passiert. Eine Ausfahrt gibt mir dadurch auf ganz unterschiedlichen Ebenen etwas zurück.
Eckige Tritte werden rundgefahren
Auch mit schwierigen Einheiten gehe ich heute anders um. Wenn der Tritt sich eckig anfühlt, muss ich ihn nicht mehr zu Tode analysieren. Ich versuche, ihn rundzufahren, indem ich meinen Fokus verändere.
Die Situation annehmen. Das Beste daraus machen. Schauen, was heute geht.
Das gelingt sicher nicht immer sofort. Aber ich merke, wie viel es verändert, eine schwierige Situation als Herausforderung zu akzeptieren. Ich habe wieder mehr Freude daran, mich durch eine Belastung zu arbeiten und zu erleben, wie sich unterwegs etwas verändert.
ONE MORE ist dabei eine Antriebsfeder. Ein weiterer Kilometer, eine weitere Runde, ein weiterer Versuch. Genau dieses Dranbleiben bringt mich gerade vorwärts.
Saisonplanung 2027: MTB oder Gravel?
Als Nächstes möchte ich auch Krafttraining wieder fest in meinen Alltag einbauen. Danach geht es an die konkrete Saisonplanung für 2027.
Ob ich meine sportlichen Herausforderungen stärker im MTB- oder im Gravelbereich suche, ist noch offen. Beides macht mir gerade einfach Spaß. Ich habe Lust auf lange Tage im Sattel, auf neue Erfahrungen und darauf, mich wieder an größere Aufgaben heranzutasten.
Wo ich damit lande, werde ich sehen. Im Moment zählt, dass ich wieder unterwegs bin und richtig Bock auf den Weg habe.
ONE MORE. Ein Kilometer. Eine Runde. Ein Versuch.

